Willkommen im Keller

Vor elf Tagen, kurz vor dem Saison-Auftakt in Hannover wurde Heribert Bruchhagen in einem Interview mit der BILD-Zeitung mit folgenden Worten zitiert: „Ich habe noch nie erlebt, dass Eintracht so optimistisch in ein Spieljahr geht.“ Elf Tage und zwei Niederlagen später ist von diesem Optimismus weder bei der Eintracht noch bei den Anhängern viel übrig geblieben. Die Eintracht findet sich mit null Punkten und 2:5 Toren auf dem 16. Tabellenplatz wieder. Wie schon bei der Niederlage in Hannover wäre es für die Eintracht möglich gewesen beim ersten Heimspiel der aktuellen Saison als Sieger vom Platz zu gehen und die Pleite eine Woche zuvor vergessen zu machen. Doch der Konjunktiv entscheidet keine Spiele. Das hätte zum Beispiel Alex Meier Sekunden vor dem Halbzeitpfiff machen können, als er alleine vor Frank Rost auftauchte und sich den Ball unkonzentrert selbst wegspitzelte. Und auch die Frankfurter Hintermannschaft hätte Ihren Beitrag dazu leisten können, als die ersten beiden Hamburger Treffer nach Ecken fielen und der Gastgeber überall im Strafraum stand, nur nicht bei den Gegenspielern. Und auch Ioannis Amanatidis, der keine Konkurrenz fürchtende Angreifer, hätte alles klar machen können, als er den Nachschuss nach einem Freistoß von Caio nicht in das lange Eck, sondern direkt auf den Hamburger Schlussmann schoss.

Die Ursachen für die aktuelle Situation sind sicherlich vielfältig. Aber hauptsächlich verlor die Eintracht  die letzten beiden Spiele aufgrund mangelnder Chancenverwertung im vorab vielgelobten Sturm, verbunden mit einer unterdurchschnittlichen Abwehrleistung. Da wäre zum Beispiel Marco Russ, der dringend eine Pause benötigt. In keinem der beiden Spiele konnte er letztendlich überzeugen. Gegen die Hamburger Offensive blieb er meistens ohne einen Stich. Es ist nur allzu deutlich, warum Chris als Innenverteidiger eine so überagende Stellung genießt. Und auch die beiden “Umschaltspieler” Meier und Schwegler blieben bis jetzt deutlich unter ihren Möglichkeiten. Insbesondere Alex Meier wirkte sowohl in Hannover als auch gegen den HSV als Fremdkörper auf dem Platz. Dass er seine hunderprozentige Chance kurz vor der Halbzeit so dilettantisch vergab, passt da nur ins Bild. Im Sturm wird klar, das Amanatidis zwar will, jedoch nach seiner Verletzung wohl noch nicht kann. Die größe Aufmerksamkeit erzielte der Grieche jedoch bisher in den Medien und weniger auf dem Platz. Und auch bei Caio wird deutlich, dass sich seine Fähigkeiten auf Distanzschüsse und das eine oder andere erfolgreiche Dribbling bis an die Grundlinie beschränken. Um so schwerer ist es zu erklären, dass die Eintracht sowohl in Hannover als auch gegen Hamburg phasenweise die Partien dominierte und das Spiel bestimmte.

Es ist jedoch noch viel zu früh um alles schlecht zu reden. Und auch das Saisonziel sollte nach zwei Spieltagen nicht in Frage gestellt werden. Man sollte nicht vergessen, dass die Eintracht trotz der Neuzugänge “nur” einen durchschnittlichen Kader besitzt. Und wenn dieser Kader nicht an sein Limit geht, ist es auch nicht möglich Spiele gegen Mannschaften wie den HSV zu gewinnen. Und wenn dann auch noch ein wenig Pech hinzu kommt, verliert man auch gegen Hannover 96. So ist das nun einmal. Die Länderspielpause sollte Michael Skibbe und der Mannschaft also zu Gute kommen. Es gilt indivduelle Schwächen abzustellen und die Mannschaft so einzustellen, dass jeder einzelne im nächsten Spiel an seine Leistungsgrenze geht. Denn wir wissen ja: Das nächste Spiel ist immer das schwerste. Erst recht, wenn der Gegner Borussia Mönchengladbach heisst und 6:3 in Leverkusen gewinnt.

Friede, Freude und Eierkuchen

Erst jetzt, ein paar Tage nach der verdienten Niederlage bei Hannover 96, wird klar, wie langweilig die diejsährige Sommerpause bei Eintracht Frankfurt doch war. Denn während in der spielfreien Zeit bei der Eintracht alles Friede, Freude und Eierkuchen war, wird die Tonlage nach der Aufttaktpleite rauher. Ausgerechnet Heribert Bruchhagen, der sonst immer sachlich und bedacht die Öffentlichkeit über sein Befinden informiert, holte die verbale Keule raus und rüffelte seine Angestellten ungewohnt deutlich in den Medien. In der Sache stimmten ihm wahrscheinlich alle zu. Über die Art und Weise zeigten sich viele doch ziemlich irritiert. Egal was Heribert Bruchhagen, der vor der Saison noch attraktiven Fussball gefordert hat,  angetrieben hat. Er hat uneingeschränkt recht. Wer 50 Punkte holen will, der muss das auf dem Platz auch zeigen und nicht nur in den Medien darüber reden. Erst recht, wenn es gegen einen angeschlagenen Gegener wie Hannover geht. Die kommenden Spiele gegen Mönchengladbach, Leverkusen und den Hamburger SV werden schwer genug. Eine allzu hohe Punkteausbeute sollte nicht erwartet werden. Schon gar nicht wenn die Mannschaft so spielt wie am vergangenen Spieltag.

Da passt es ins Bild, dass Oka Nikolov für die nächsten zwei Spieltag aufgrund einer Verletzung pausieren muss. Der Ausfall von Nikolov, der bei beiden Gegentoren in Hannover schlecht aussah, wird jedoch zu kompensieren sein. Ralf Fährmann wird seine Chance bekommen. Sehr viel früher als gedacht. Und auf ihn wartet mit dem Hamburger SV und seinen Offensivkünstlern Petric, Elia und van Nistelrooy direkt eine große Aufgabe. Bei seinen bisherigen Einsätzen im Frankfurter Trikot konnte er sein wahres Leistungsvermögen noch nicht zeigen. Ein gleichwertiger Ersatz für Nikolov ist er jedoch allemal. Zumindest für die nächsten zwei Spieltage.

Mehr Fussball-Kompetenz gibt es wieder im aktuellen Eintracht-Podcast. Neben einem Rückblick auf das Spiel in Hannover und Nikolovs Rolle bei den Gegentoren, beschäftigt sich das Podcast-Team auch mit den beiden bevorstehenden Spielen gegen den Hamburger SV am nächsten Samstag und in der 2. Runde des DFB-Pokals.

Selbst schuld

Der Bundesliga-Alltag hat Eintracht Frankfurt und ihre Anhänger wieder eingeholt. Und das schneller als es die meisten vor dem Bundesligaauftakt erwartet hätten. Auch wenn die Eintracht eine gute Vorbereitung hinter sich hat, waren die Voraussetzungen für einen Sieg gegen die Niedersachsen nicht die besten. Ohne den Brasilianer Chris und mit der Gewissheit, seit 23 Jahren nicht in Hannover gewonnen zu haben, trat die Eintracht die Reise an die Leine an. Und leider kam es genauso, wie man es in den vergangen Jahren so oft erlebt hat. Die Eintracht war über die meiste Zeit des Spiels die bessere Mannschaft. Doch Hannover machte ein Tor mehr und ging am Ende als Sieger vom Platz. Dabei hatte dieses Spiel bei weitem keinen Sieger verdient. Es war eine Partie auf niedrigem Niveau mit einer unsicheren Heimmannschaft und einem inkonsequent auftretenden Gast. Denn für die Eintracht bestand durchaus die Möglichkeit, dieses Spiel zu gewinnen oder ein verdientes Unentschieden herauszuholen. Doch diese Möglichkeit machten sich die Spieler von Trainer Michael Skibbe selbst zu nichte.

Ein geordneter Spielaufbau fand so gut wie nicht statt. Von den beiden “Umschaltspielern” vor der Abwehr kam so gut wie nichts. Im Sturm musste der engagiert auftretende Amanatidis die Wege für seinen Partner Gekas mitgehen, der am Spiel nicht teilnahm und somit ein Totalausfall war. Kein besonders guter Einstand des griechischen Nationalspielers. Und dann war da noch Oka Nikolov. Der Schuss zum Führungstreffer für die Gastgeber war nicht unhaltbar und auch den Treffer zum finalen Spielstand muss sich Nikolov ankreiden lassen, wenn er bei einer Flanke, die in den 5-Meter-Raum kommt, fast regungslos auf der Linie stehen bleibt. Natürlich muss man dem Eintracht-Urgestein zu Gute halten, dass er auch zwei sehr gute Paraden hatte, wo er sein Können unter beweis stellen konnte. Doch glücklich sah er bei den beiden Gegentreffern nicht aus und in Zukuft wird er solche Bälle halten müssen, wenn er seinen Stammplatz nicht an Fährmann verlieren möchte. Nur mit Ruhe austrahlen kann man kein Spiel gewinnen.

Es war irgenwie ein komisches Spiel gegen Hannover. Und auch wenn das gestern von beiden Mannschaften keine fussballerische Offenbarung war, hatten beide Teams doch ein paar gute Chancen, und ab und zu blitzte bei der Eintracht sogar das schnelle Kurzpassspiel auf. Leider ohne zählbaren Erfolg. Die Eintracht hat sich die Niederlage letztendlich selbst zuzuschreiben. Amanatidis und Russ hatten mit ihren beiden Kopfballchancen beste Möglichkeiten. Doch wer sich bei einem Konter so verhält, wie bei jenem in der 68. Minute, und sich danach die Kontrolle über das Spiel fast ohne Gegenwehr abnehmen lässt, darf sich nicht wundern, wenn er zum Schluss als Verlierer den Platz verlässt.

Vielleicht war diese Niederlage aber auch ein Dämpfer zur richtigen Zeit. Denn mit dem Hamburger SV erwartet die Eintracht beim Heimauftakt am nächsten Wochenende einen Gegner, der mindestens eine Nummer größer ist als die angeschlagenen Hannoveraner. Die Eintracht muss sich dann definitiv anders präsentieren. Ansonsten besteht die Gefahr, dass auch der letzte Funken der Euphorie aus der Vorbereitung erlischt.

Der nächste Schritt

Heute ist also soweit. Die Fussball-Bundesliga startet in ihre 48. Saison. Dass auch Eintracht Frankfurt dabei ist wäre vor ein paar Jahren nicht selbstverständlich gewesen. Heute ist es das. Und nicht nur das. Die Eintracht hat sich nach qualvollen Jahren und drei Abstiegen wieder in der ersten Klasse der Bundesliga etabliert und präsentiert sich heute sowohl finanziell als auch sportlich als Vorzeigeverein. Die launische Diva gibt es am Main schon lange nicht mehr.

Bleibt noch das mit der grauen Maus. Die will auch keiner sein. Obwohl das grundsätzlich gar nicht so schlecht ist. Denn sich im Mittelfeld der Bundesliga festzusetzen ist auch nicht selbstverständlich. Doch nach den Jahren des Aufbaus wollen Fans, Spieler und auch der Trainer mehr. Und auch Heribert Bruchhagen stimmt mittlerweile leisere Töne an, wenn er auf die Zementierung der Liga hinweist. Dennoch lässt er wenig Gelegenheiten aus um auf die Euphoriebremse zu treten. Das ist auch gar nicht so schlecht. Schließlich weiß man in Frankfurt nur allzu gut wohin unangebrachter Größenwahn führen kann.

Die Mannschaft und der Trainer haben sich 50 Punkte als Ziel gesetzt. Das wären vier mehr als in der vergangenen Saison. Dass dieses Ziel zu erreichen ist bezweifelt in Frankfurt niemand. Die Eintracht hat sich gezielt verstärkt und auch spielerisch weiter entwickelt. Von dem einstigen Rumpel-Fussball zum Ende der Funkel´schen Zeit ist nichts mehr zu sehen. Und nicht nur durch den bestens ausgestatteten Sturm macht Skibbe deutlich, dass er Begegnungen durch eine offensive Spielweise entscheiden will und stumpfes “Ball-wegdreschen” auf dem Platz nichts mehr zu suchen hat.

Zieht man unter all diese Fakten einen dicken Strich, kann das Ergebnis nur heißen: Es ist Zeit für den nächsten Schritt! Das Erreichen des Saisonziels wäre mit Sicherheit ein solcher nach vorne. Wie weit nach vorne wird sich zeigen, doch als Anhänger von Eintracht Frankfurt hat man sich schon lange nicht mehr so sehr auf eine kommende Saison gefreut.

Morgen geht´s los. Auswärtssieg!

Frankfurt ist nicht Hannover

Wilhelmshaven ist nicht Elversberg. Gut so! Nicht auszudenken was im Frankfurter Umfeld los gewesen wäre, hätte die Eintracht es dem kommenden Gegner am ersten Spieltag der neuen Saison gleichgetan. Alle guten Worte, jeder Sieg in den Vorbereitungsspielen, alles wäre von jetzt auf gleich zu nichts verkommen. Aber Frankfurt ist nicht Hannover. Und deshalb darf die Eintracht in der zweiten Runde des DFB-Pokals antreten und Hannover 96 nicht. Während Hannover 96 im Elfmeterschießen gegen den Regionalligisten Nerven zeigte, und letztendlich als Verlierer den Platz verließ, kam die Eintracht zu einem verdienten und souveränen 4:0 Erfolg gegen die Jadestädter.

Die Resultate  in Wilhelmshaven und in Elversberg lassen nicht zwingend auf das wahre Leistungsvermögen beider Erstligisten schließen. Doch während der eine bereits vom drohenden Abstieg spricht, lässt der andere mit dem Saisonziel von 50 Punkten die Anhängerschaft von weitaus größerem träumen. Ungleiche Verhältnisse sind das jedoch noch lange nicht. Und die Gesetze im Pokal sind natürlich (!) andere als im Liga-Alltag. Es ist also höchste Vorsicht geboten. Am Samstag. In Hannover.

Um die erste Runde im DFB-Pokal und das Auswärtsspiel in Hannover geht es auch im aktuellen Eintracht-Podcast. Anhören könnt Ihr Euch das  Ganze wie immer bei iTunes oder auf der Internetseite.

Nächste Einträge →