Südländisches Flair

Eintracht Frankfurt ist am gestrigen Mittwoch vom DFB Sportgericht wieder einmal zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 € wegen dem Abrennen von Pyrotechnik verurteilt worden.

“Nochmalige Verfehlungen dieser Art könnten erhebliche Folgen haben“ so Vorstandsmitglied Klaus Lötzbeier in einer Pressemitteilung. „Das Konto an Vorbelastungen ist jetzt prall gefüllt und die Lage ist ernster, als mancher denkt. Wir bewegen uns auf einem sehr schmalen Grat.“ Der Grat is so schmal, dass die Eintracht beim nächsten Mal mit erheblich höheren Strafen rechnen muss. Selbst ein Geisterspiel oder Punktabzug ist nicht ausgeschlossen.

Die Zeiten wo Pyrotechnik fester Bestandteil einer Fankurve war sind schon lange vorbei. Die Zahl derjenigen, die das Abbrennen von Bengalos, Rauchpulver oder Böllern gut heißen, ist eine geringe. Aber das Verhalten dieser wenigen Fans schadet im Endeffekt allen. Verein, Kurve und letztendlich auch den Zündlern, denen lange Stadionverbote drohen.

Während die heimischen Medien bei Weltmeisterschaften oder Spielen der italienischen Serie A immer wieder von einem „südländischen Flair“ sprechen ist das Zündeln in deutschen Stadien jedoch verpöhnt und die Verantwortlichen werden als Hooligans und Krawallmacher verurteilt.

Doch während das Zündeln im heimischen Stadion komplett eingestellt wurde, dient es in den Stadien verfeindeter Fangruppen wie Nürnberg oder Karlsruhe mehr zum provozieren als der Schaffung südländischer Verhältnisse.

Doch ist das wirklich nötig? Der Frankfurter Anhang muss sich wahrlich nicht vor den gegnerischen Kurven auswärts verstecken. Um lauter als die Nürnberger oder Karlsruher Kurve zu sein, braucht es keine Pyrotechnik. Und dass Rauchpulver oder Böller eine leistungssteigernde Wirkung auf die eigenen Spieler haben, wurde auch noch nicht nachgewiesen.

Die verhängten Strafen (Nürnberg 10.000 €, Karlsruhe 40.000 €) werden nicht von den Tätern bezahlt, sondern aus dem Kapital der Eintracht Frankfurt Fussball AG. Geld, das sowohl die Profiabteilung als auch der Verein dringend benötigt. Das führt zu einer niedrigen Hemmschwelle. Sicherlich würde weniger Pyrotechnik abgebrannt, wenn den Zündlern nicht nur ein Stadionverbot drohen würde, sondern sie auch den finanziellen Schaden tragen müssten.

Zudem steigert die Nichtbeachtung der Sicherheitsauflagen die Repression von Fans durch verstärkete Kontrollen, mehr Ordner in den Kurven und nicht zuletzt erhöhten Polizeiaufgeboten bei Auswärtsspielen.

Pyrotechnik hat in einem Fussballstadion nichts zu suchen. Um die eigene Mannschaft zu unterstützen braucht es keine Böller, Rauchpulver oder Bengalos. Das haben die Eintracht-Fans in der Vergangenheit beeindruckend gezeigt. Und es wäre schade, wenn ein Umdenken erst dann einsetzen würde, wenn Fans und Zuschauer ausgesperrt werden, und keiner mehr da ist, der die Eintracht zum Sieg schreit.

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