Der Amanatidis-Faktor

Man kann Eintracht Frankfurt ja viel nachsagen. Aber eines mit Sicherheit nicht. Nämlich dass die Mannschaft ein Starensemble wäre oder zumindest Spieler dieser Gattung beschäftigen würde. Das ist grundsätzlich erstmal gut. Denn das Erfolgsrezept der Eintracht in den vergangenen Jahren beruhte auf mannschaftliche Geschlossenheit mit einem festen Kern von eher durchschnittlichen Spielern. Da ist nur wenig Platz für Stars. Zumal Stars, die oftmals dann doch nur Sternchen sind, das Grundgerüst mannschaftlicher Geschlossenheit ins wanken bringen können, wenn sie sich nicht nahtlos in dieses einfügen und auch eigene Ansprüche zurücknehmen.

Jetzt ist die Lage nun einmal so, dass der aktuelle Kader von Eintracht Frankfurt für die Saison 2010/11 aus über 30 Mann besteht. Und jeder möchte zum oben genannten Grundgerüst gehören. In der Abwehr sind mit Chris, Russ und Franz die Spieler schnell ausgemacht. Entweder aus Mangel an Alternativen (solange Vasoski noch nicht 100% fit ist) oder weil sie sich in der Vergangenheit bewiesen haben. Im Mittelfeld wird es schon unübersichtlicher. Um die vier Positionen kämpft fast ein Dutzend Spieler. Doch auf den zweiten Blick wird deutlich, dass auch dort die üblichen Verdächtigen mit Meier, Schwegler und Ochs fest gesetzt sind.

Der Sturm stellt sich jedoch als Haifischbecken dar. Dort ist nur für zwei Spieler Platz. Bei einem defensiven Spielsystem sogar nur für einen. Mit Gekas, Fenin, Altintop und Amanatidis kämpfen vier gestandene Stürmer um diesen Platz, und melden Ansprüche auf diesen an. Und getreu der Devise „wer schrei(b)t bleibt“ wurde dieser Kampf in die Öffentlichkeit getragen und von den Medien dankbar aufgenommen. Den Anfang machte Ioannis Amanatidis mit einem Interview in der Frankfurter Rundschau wo er wissen ließ, dass „kommen kann wer will und er keine Konkurrenz fürchtet“. Gut gebrüllt, Löwe! Doch auch zu Recht? Bekannt ist, dass Amanatidis selten ein Blatt vor den Mund nimmt. Jedoch sind seine Aussagen sachlich und man hat immer den Eindruck, dass er das was er sagt auch genauso meint. Im weiteren Verlauf des Interviews wird Amanatidis ziemlich deutlich und sagt, dass Spieler wie er, die Fussball nicht nur mit dem Körper sondern auch mit dem Kopf spielen, den Unterschied machen.

Vorausgesetzt sie spielen überhaupt. Denn das hat Amanatidis zum Zeitpunkt des Interviews seit neuen Monaten nicht mehr gemacht. In der vergangenen Saison absolvierte er wegen seiner schweren Knieverletzung nur neun Spiele. Bis zu dem letzten Spiel im Oktober 2009 war er im Sturm fest gesetzt und gehörte zu dem oben genannten Grundgerüst. Seine Verletzung war ein schwerer Schlag für die Mannschaft und zwang die Eintracht letztendlich in der Winterpause Halil Altintop zu holen, der dann die komplette Rückrunde im Sturm den Alleinunterhalter spielen dürfte. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Aber das hat andere Gründe. Es ist daher nicht allzu sehr verwunderlich, dass Amanatidis sich vor Beginn der neuen Saison zu Wort meldet und den Konkurrenzkampf durch seine Aussagen weiter anfacht. Es scheint ein wenig, dass die Grenze zwischen einem gesunden Konkurrenzkampf und purem Egoismus hier verschwimmt. Doch Amanatidis ist, sofern gesund, für mindestens zehn Tore in der Saison gut und kann sich nahtlos in jedes Spielsystem integrieren. Das wissen auch Skibbe und Bruchhagen von denen er immer absolute Rückendeckung bekommen hat. Hinzu kommt, das er sich nach seinem Rücktritt aus der griechischen Nationalmannschaft nun voll auf die Eintracht konzentrieren kann.

Amanatidis hat dazu gelernt. Dass Skibbe ihm vor der letzten Saison die Kapitänsbinde abgenommen hat traf den Griechen tief. So tief, dass er aus dem Mannschaftsrat austrat und keine Verantwortung mehr übernehmen wollte. Doch nach der Verpflichtung von Altintop und Gekas in der Sommerpause ist auch Amanatidis klar geworden, dass er, wenn er im Haifischbecken nicht gefressen werden will, auch ein Hai sein muss. Es ist daher verständlich, dass der ehemalige griechische Nationalstürmer seine Ansprüche so offensiv formuliert. Zudem gehört Amanatidis wieder zum Mannschaftsrat was ihn zusätzlich bestärkt haben wird. Er wird in der der kommenden Saison wieder zum Grundgerüst der Mannschaft gehören. Doch den großen Worten müssen nun auch Taten folgen. Das wissen auch seine Mitstreiter um den begehrten Platz im Sturm. Doch im Gegensatz zu Amanatidis nehmen diese eine defensive Haltung ein. Halil Altintop kommentierte das Vorpreschen des Griechen mit den Worten: „Mund zu, Klappe halten, Gas geben.“

Damit können alle anfangen. Schon heute abend. Auswärtssieg!

Geschrieben in Allgemein | Tags: , , , , , . | Bookmark den Permalink.

2 Kommentare

  1. Pingback: Willkommen im Keller : Stadtwaldgebabbel

  2. Pingback: Skibbe´s gefährliches Spiel : Stadtwaldgebabbel

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>