Selbst schuld

Der Bundesliga-Alltag hat Eintracht Frankfurt und ihre Anhänger wieder eingeholt. Und das schneller als es die meisten vor dem Bundesligaauftakt erwartet hätten. Auch wenn die Eintracht eine gute Vorbereitung hinter sich hat, waren die Voraussetzungen für einen Sieg gegen die Niedersachsen nicht die besten. Ohne den Brasilianer Chris und mit der Gewissheit, seit 23 Jahren nicht in Hannover gewonnen zu haben, trat die Eintracht die Reise an die Leine an. Und leider kam es genauso, wie man es in den vergangen Jahren so oft erlebt hat. Die Eintracht war über die meiste Zeit des Spiels die bessere Mannschaft. Doch Hannover machte ein Tor mehr und ging am Ende als Sieger vom Platz. Dabei hatte dieses Spiel bei weitem keinen Sieger verdient. Es war eine Partie auf niedrigem Niveau mit einer unsicheren Heimmannschaft und einem inkonsequent auftretenden Gast. Denn für die Eintracht bestand durchaus die Möglichkeit, dieses Spiel zu gewinnen oder ein verdientes Unentschieden herauszuholen. Doch diese Möglichkeit machten sich die Spieler von Trainer Michael Skibbe selbst zu nichte.

Ein geordneter Spielaufbau fand so gut wie nicht statt. Von den beiden “Umschaltspielern” vor der Abwehr kam so gut wie nichts. Im Sturm musste der engagiert auftretende Amanatidis die Wege für seinen Partner Gekas mitgehen, der am Spiel nicht teilnahm und somit ein Totalausfall war. Kein besonders guter Einstand des griechischen Nationalspielers. Und dann war da noch Oka Nikolov. Der Schuss zum Führungstreffer für die Gastgeber war nicht unhaltbar und auch den Treffer zum finalen Spielstand muss sich Nikolov ankreiden lassen, wenn er bei einer Flanke, die in den 5-Meter-Raum kommt, fast regungslos auf der Linie stehen bleibt. Natürlich muss man dem Eintracht-Urgestein zu Gute halten, dass er auch zwei sehr gute Paraden hatte, wo er sein Können unter beweis stellen konnte. Doch glücklich sah er bei den beiden Gegentreffern nicht aus und in Zukuft wird er solche Bälle halten müssen, wenn er seinen Stammplatz nicht an Fährmann verlieren möchte. Nur mit Ruhe austrahlen kann man kein Spiel gewinnen.

Es war irgenwie ein komisches Spiel gegen Hannover. Und auch wenn das gestern von beiden Mannschaften keine fussballerische Offenbarung war, hatten beide Teams doch ein paar gute Chancen, und ab und zu blitzte bei der Eintracht sogar das schnelle Kurzpassspiel auf. Leider ohne zählbaren Erfolg. Die Eintracht hat sich die Niederlage letztendlich selbst zuzuschreiben. Amanatidis und Russ hatten mit ihren beiden Kopfballchancen beste Möglichkeiten. Doch wer sich bei einem Konter so verhält, wie bei jenem in der 68. Minute, und sich danach die Kontrolle über das Spiel fast ohne Gegenwehr abnehmen lässt, darf sich nicht wundern, wenn er zum Schluss als Verlierer den Platz verlässt.

Vielleicht war diese Niederlage aber auch ein Dämpfer zur richtigen Zeit. Denn mit dem Hamburger SV erwartet die Eintracht beim Heimauftakt am nächsten Wochenende einen Gegner, der mindestens eine Nummer größer ist als die angeschlagenen Hannoveraner. Die Eintracht muss sich dann definitiv anders präsentieren. Ansonsten besteht die Gefahr, dass auch der letzte Funken der Euphorie aus der Vorbereitung erlischt.

Geschrieben in Auswärts. Bookmark den Permalink.

Ein Kommentar

  1. Jens :

    Da kann ich dir in vielen Teilen einfach nur zustimmen, mein junger Padawan. Die Eintracht war nicht überragend, Hannover sicher auch nicht. Allerdings waren die Tore wirklich unnötige Geschenke. Auch wenn das 1:0 nicht unhaltbar war, so war doch die Fehlerkette davor stümperhaft und darf in der Bundesliga so nicht passieren. Der Ball war eigentlich zwei mal sicher bevor Nikolov Gelegenheit zum Patzen bekam.

    Nikolov hat das zweite Tor in der Tat auf seinem Konto. Es sieht also wirklich so aus, als wären wir wieder total im Ligaalltag. Unser Goalie ist auf der Linie ein Ass, hat großartige Reflexe und pariert so immer wieder schwierige Schüsse. Seine Strafraumbeherrschung ist allerdings mangelhaft und ehrlich gesagt, muss sich Skibbe mittelfristig fragen lassen, warum er Fährmann nicht in die erste Mannschaft steckt. Der junge Torhüter wird natürlich auch seine Fehler machen, allerdings gehören die bei einem jungen Torhüter zum Reifungsprozess dazu. Und wenn ich schon einen Torhüter ins Tor stelle, der regelmäßig mal einen Patzer einstreut, dann würde ich den Torhüter bevorzugen, den das in seiner Entwicklung weiterbringt – und das ist sicherlich nicht Nikolov.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>