Solide langweilig

Solide langweilig. So lautet der Titel dieses Beitrags. Und das auch nur, weil mir nichts besseres einfiel, das in kurzen und knappen Worten das widerspiegelt, was mit diesem Beitrag gesagt bzw. beschrieben werden soll. Nicht nur die Pessimisten unter uns werden damit wohl eher die zweite Halbzeit des lauen Sommerabend-Kicks gegen Chelsea verbinden als die sportlichen Aussichten auf die kommende Saison. Denn diese wird, sofern man dem bewährten Team aus der Sportredaktion von Stern.de glauben darf, genau so, wie der Titel dieses Beitrags lautet.

Genauer gesagt spielt die Eintracht nach Meinung von Stern.de-Redakteur und Fussball-Experte Daniel Barthold “zu langweilig [...] für das Umfeld in Frankfurt, das seit jeher Großes erwartet und lieber die alte “Diva” wiedersehen will”. An dieser Stelle im Artikel – die als erstes in meinem Blickfeld erscheint – zucke ich kurz zusammen. Großes erwarten? Die “alte Diva” (oder meinte der Autor hier doch die launische Diva?) zurück? Naja, denke ich. Schließlich lese ich ja hier den Stern und nicht den Kicker. Da sollte der geneigte Eintracht-Fan seine Ansprüche auf qualitativ hochwertigen Sportjournalismus nach unten schrauben.

Weiter im Text (ich lese den Artikel rückwärts) werde ich dann zum zweiten Mal stutzig und wundere mich, warum ich von der neuen Defensiv-Verstärkung Timo Ochs nichts mitbekommen habe, der in einem Zug mit Benjamin Köhler und Maik Franz genannt wird. Diese drei setzen immer wieder vorne Akzente und dort, stellt der Autor nachfolgend fest, ist auch von Halil Altintop ist einiges zu erwarten. Warum und wieso lässt Barthold offen. Ist ja auch nebensächlich. Schließlich hat Altintop ja in der vergangenen Rückrunde drei Mal getroffen.

Ich komme wieder an die Stelle mit der Diva und lese Namen wie Yeboah, Gaudino und Okocha (hier werde ich misstrauisch) und die Feststellung, dass die Eintracht unter “Manager Bruchhagen” (der eigentlich Vorstandsvorsitzender ist) nicht so schnell zu einer – Achtung! – Glamour-Offensiv-Ära wie in den 90ern kommen wird. Anschließend orakelt Barthold dann über Spannungen zwischen Skibbe und Bruchhagen und dass die Eintracht keine Garantie hat, nicht in den Abstiegskampf reinzurutschen. Das leuchtet mir ein. Zumindest nach einem kühlen 8er in der prallen Sonne.

Ich quäle mich im Text weiter zu dem Absatz über die Neuverstärkungen, die keine Hochkaräter sind, und zu der Feststellung, dass die Mannschaft zu inkonstant ist und vermeintlich schwächeren Teams aufgrund spielerischer Limitiertheit nicht ihren Stempel aufdrücken kann. Mir wird schlecht und der kleine Funken Hoffnung, den ich noch auf europäische Festspiele in der Saison 2011/12 habe, erlischt. Das Fazit von Daniel Barthold (aufsteigender Stern am Sportjournalisten-Himmel) ist, dass mehr als Platz acht unrealistisch ist, es zu Missstimmungen kommen kann und die Abstiegszone nicht weit weg ist. Es könnte ein heikles Jahr für die Eintracht werden. Danke.

An das Niveau des Stern-Artikels hat sich übrigens auch die Mediadesign Hochschule angepasst, die das solide, langweilige und dazu auch noch braune Trikot von Kult-Verein St. Pauli zum Trikotmeister 2010/11 kürt. Das Frankfurter Leibchen findet sich auf Platz 15 wieder. Vielleicht hat Daniel Barthold ja doch recht. Es könnte wirklich ein heikles Jahr für die Eintracht werden.

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2 Kommentare

  1. Swen :

    Schöner Beitrag – und ich komme auf ähnliche Erkenntnisse :))

    http://7meter32.blogspot.com/2010/08/lachen-mit-d…

  2. Hallo Swen, habe gerade zum ersten Mal in Deinem Blog gelesen und ihn sofort zur Blogroll hinzugefügt. Wirklich sehr schöne Beitträge!

    Und zu dem Stern-Artikel ist nun wohl alles gesagt worden… ;)

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