Deutlicher Widerruf!

Beim inoffiziellen (und besten!) Eintracht-Podcast ist es mittlerweile Tradition, dass jeder vor dem nächsten Spiel eine Prognose für das Ergebnis abgibt. Bei der letzten Ausgabe, vor dem gestrigen Spiel gegen Leverkusen, habe ich meinen 2:1 Tipp für die Eintracht mit dem Kommentar versehen, dass mir eine knappe Niederlage, bei der die Eintracht sich jedoch spielerisch deutlich gegenüber dem Spiel gegen Freiburg gesteigert hat, lieber ist, als wieder so eine emotions- und lustlose Vorstellung wie am vergangenen Freitag. Diesen Kommentar möchte ich nach dem gestrigen Spiel in Leverkusen in aller Deutlichkeit widerrufen.

Nach dem mehr als schmeichelhaften Sieg der Don-Jupp-Pillen, wäre ich jetzt über ein langweiliges Unentschieden ohne jegliche Torszenen mehr als erfreut. Soweit der Konjunktiv. Die Realität sieht jedoch anders aus. Zwar präsentierte sich die Eintracht gestern in Leverkusen lauffreudig und spielstark und wirkte nach der Niederlage gegen den SC Freiburg wie ausgewechselt. Was zählbares sprang am Ende jedoch wieder nicht heraus. Nach den ersten zehn Minuten der Partie konnte dem geneigten Eintracht-Fan schon Angst und Bange werden. Die Leverkusener Führung durch Bender fiel nicht unerwartet. Doch der Treffer der Gastgeber schien die Eintracht wach zu rütteln, so dass sie für den Rest der Halbzeit das Zepter in die Hand nahm und die Partie über weite Strecken dominierte. Leverkusen zog sich nach hinten zurück und Skibbe änderte die Taktik daraufhin von kontern zu “das Spiel machen”. Eine Frankfurter Führung zur Halbzeit wäre mehr als verdient gewesen. Doch die zahlreichen guten Chancen, sowohl beim Abschluss als auch beim schnellen Spielaufbau, wurden fahrlässig liegen gelassen.

Natürlich war das alles nicht hochkarätig, was die Eintracht in den ersten 45 Minuten zeigte. Es reichte jedoch dazu Leverkusen in die eigene Hälfte zu drängen und zuletzt wurde deutlich, dass sich die Spieler die Kritik der vergangenen Tage zu Herzen genommen hatten und zumindest versuchten, ihre Chancen zu nutzen. Das wurde in der zweiten Halbzeit jedoch nicht mehr so konsequent umgesetzt, auch weil Bayer Leverkusen wieder zur alten Stärke zurückfand. Der Großteil des zweiten Durchgangs wirkte somit auf beiden Seiten zerfahren und mitunter konzeptlos. Im Fachjargon sagt man wohl dazu, dass “sich beide Teams eliminierten”.

Das änderte sich in der 76. Minute. Jenem Zeitpunkt als Michael Skibbe “unseren Brasilianer” Chris vom Platz nahm und durch Ricardo Clark ersetzte. Skibbe muss dafür sehr gute Gründe gehabt haben, denn spätestens jetzt zeigte sich, wie wichtig Chris für die gesamte Mannschaft ist. Nach seiner Herausnahme wurden die Lücken im defensiven Mittelfeld zunehmend größer und das Abwehrverhalten erinnerte an die Partie gegen Freiburg. Die logische Konsequenz war, dass die Zuordnung in der Abwehr nicht mehr so funktionierte wie vorher, und letztendlich ein rechter Mittelfeldspieler in der 90. Minute den sicheren Leverkusener Siegtreffer (zunächst) nur dadurch verhindern konnte, dass er Arturo Vidal im Strafraum zu Fall brachte. Alles weitere ist Geschichte und kann als wöchentlich grüßendes Murmeltier abgehakt werden.

Am Samstag ist dann der 1. FC Nürnberg im ehrwürdigen Waldstadion zu Frankfurt am Main zu Gast. Es ist wohl Ironie der Geschichte, dass die Franken gestern in der 90. Minute den Siegtreffer über den VfB Stuttgart erzielt haben.

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