Viel geredet, nichts gemacht

Richtig Gas geben wollten sie, die Spieler von Eintracht Frankfurt. Sich in der Spitzengruppe der Tabelle festsetzen. Und die Chance, im europäischen Wettbewerb mitzuspielen, erneut nicht verstreichen lassen. Gestern Abend um 17:18 Uhr, nach der verdienten 0:3 Niederlage gegen Hannover 96, waren diese Vorsätze nur noch leere Worthülsen. Alles was sich die Mannschaft von Michael Skibbe vor der Partie gegen die Niedersachsen vorgenommen hatte, konnte sie auf dem Platz nicht umsetzen.

Es gibt viele Gründe warum Eintracht Frankfurt gestern unter die Räder kam. Die Not-Innenverteidung mit Clark und Kraus konnte die in sie gesetzen Erwartungen nicht erfüllen. Das ist jedoch nicht unbedingt eine Überraschung und auch nicht der Hauptgrund für die Niederlage. Zum einen fehlte trotz mehrheitlichem Ballbesitz der Kampfgeist um ein solches Spiel auch dreckig zu gewinnen. Zum anderen spielten bis auf Ochs und Jung alle etablierten Akteure deutlich unter ihrem eigentlichen Leistungsniveau.

Da wäre zum einen Alex Meier, der wieder einmal überfordert war und zurecht in der Halbzeit durch Martin Fenin ersetzt wurde. Da wäre Halil Altintop, dessen Rückwärtsbewegung und Torvorbereiterqualitäten vom Trainer in dieser Woche noch öffentlich angepriesen wurden und von denen er in der gesamten Partie nichts zeigte. Er wurde zurecht, leider viel zu spät, von Skibbe vom Platz genommen und musste die Pfiffe der Fans für seine desolate Vorstellung über sich ergehen lassen. Aber auch Schwegler und Köhler erwischten einen rabenschwarzen Tag. Köhler gelang weder nach vorne noch nach hinten Gutes. Zu allem Übel leitete er mit seinem Ballverlust auch noch den Führungsstreffer der Gäste ein, was der Anfang vom Ende war.

Gestern wurde einmal mehr offensichtlich, dass das Hauptproblem bei Eintracht Frankfurt in dieser Saison das Spiel nach vorne ist. Skibbes Standard-Taktik, Gekas als einzige Spitze mit langen Bällen zu versorgen, ging einmal mehr nach hinten los. Auch deshalb, weil die Gegner sich schon längst darauf eingestellt haben. Die Hannoveraner Innenverteidigung stellte den Griechen gnadenlos zu und ließ ihm nicht den Hauch einer Chance. Und wie schon in so manchen Spielen zuvor, fand die Eintracht auch gegen Hannover kein adequates Mittel um sich gute Chancen spielerisch zu erarbeiten. Etwas wie Gefahr kam nur auf, wenn Jung und Ochs sich mal auf der rechten Seite durchsetzen konnten, was leider viel zu selten passierte. Der gescholtene Altintop konnte weder in der ersten Halbzeit auf der linken Außenbahn, noch auf der zentralen Offensivposition in der ersten halben Stunde der zweiten Hälfte Akzente nach vorne setzen.

Es bleibt Skibbes Geheimnis, warum er Altintop so lange gewähren ließ und ihn nicht schon wie Alex Meier zur Halbzeit ersetzte. Dass der für den Türken eingewechselte Amanatidis nur zehn Sekunden nach seiner Einwechslung die beste Frankfurter Chance hatte, ist nur ein Indiz dafür, dass Skibbe beim nächsten Spiel gegen den (anderen) HSV am kommenden Freitag, Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung vornehmen sollte. Amanatidis hatte nämlich nicht nur die beste Chance, sondern zog seine Mitspieler mit, was keinem anderen Spieler zuvor gelang. Auch das ist einer der Gründe, warum die Eintracht derzeit nicht in der Lage ist, ganz oben in der Tabelle Fuß zu fassen. Es fehlt ein wirklicher Leader, einer der die Mannschaft in schwierigen Phasen mitreißen und motivieren kann. Denn nur dann lassen sich solche Spiele wie gestern gewinnen.

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