Von Wundertüten und Irrtümern

São Paulo, Frankfurt, Moskau. Oder auch nicht. Denn genauso wie überraschend wie die (inoffizielle) Nachricht, dass Caio César Alves dos Santos für knapp 4 Millionen Euro zu Dynamo Moskau wechseln wird, kam nur ein Tag später die (offizielle) Mitteilung, dass der Wechsel des Brasilianers in die russische Hauptstadt wegen einer “Knorpelproblematik im Knie” geplatzt sei. Und so wurde aus dem vermeintlichen Frankfurter Coup, bei dem Heribert Bruchhagen in den vergangenen zwei Monaten „den Markt hergestellt“ hatte, eine handfeste Enttäuschung.

Die Geschichte zwischen Eintracht Frankfurt und Caio scheint ein einziger großer Irrtum zu sein. Aus dem vermeintlichen Heilsbringer, der nach Jahren der Tristesse wieder glanzvolle Fussballmomente an den Main bringen sollte, entwickelte sich seit seinem Wechsel von Palmeiras im Januar 2008 eine unberechenbare Wundertüte. Ein durchaus begabter Techniker, jedoch nur ein durchschnittlicher Bundesliga-Fussballer, der mehr Zeit auf der Bank als auf dem Platz verbrachte. An die meisten seiner insgesamt elf Tore, die er in den vergangenen drei Jahren erzielte, dürfte man sich noch erinnern. Um jedoch im harten Bundesliga-Alltag mitzuhalten, fehlt(e) Caio der Wille und die Bereitschaft sich zu quälen. Zu oft schlich er phlegmatisch auf dem Platz herum, arbeitete so gut wie nicht nach hinten, um dann jedoch in einem seiner unwiderstehlichen Momente den Ball aus 35 Metern in das Tor des Gegners zu dreschen. Caio halt. Und alle hatten sich damit arrangiert. Spieler, Fans und Verantwortliche. Man sollte jedoch hier kritisch hinterfragen, ob das alles so richtig läuft, wenn ein Spieler, der als teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte gefeiert wurde, nur als Teilzeitunterhalter agieren darf und kann.

Caio wird wohl nun bis zum Ende seines Vertrages im Juni 2012 bei der Eintracht bleiben. Man kann sich schwer vorstellen, dass es Bruchhagen nach dem Wechseltheater gelingen wird, den Brasilianer an einen europäischen Verein zu veräußern. Am Ende gibt es nur Verlierer. Den Spieler, den keiner will. Den Trainer, der mit dem Spieler wenig anfangen kann. Den Vorstandsvorsitzenden, der dann doch keinen Markt bereiten konnte und die Eintracht, der knapp 2 Millionen Euro durch die Lappen gegangen sind. Für den einen oderer anderen Fan dürfte der Verbleib von Caio ein Gewinn sein. Doch letztendlich ist der Brasilianer in dem ganzen Schmierentheater nur ein Spielball zwischen Macht und Macher im Fussballgeschäft. Es darf bezweifelt werden, ob der junge Brasilianer das alles richtig realisieren konnte, was mit ihm gemacht wurde. Und so hat es letztendlich dann doch etwas Gutes, dass er zunächst “zu Hause” bei der Einracht bleibt. Denn vielleicht wird ja doch noch aus der Wundertüte ein gestandener Fussballer. Etwas ausschließen sollte man bei Caio ja nie.

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