Und jetzt?

Irgendwie hätte es mich dann doch überrascht, wenn sich die Eintracht und der VfL Wolfsburg am Ende doch nicht die Punkte geteilt hätten. Denn auch wenn es in den letzten beiden Partien, bei denen sich der Traditionsverein und die Sportabteilung des größten deutschen Automobilherstellers, jeweils einen Sieger gab, habe ich jedes mal bei dieser Begegnung das Gefühl, dass sich dort zwei Mannschaften gegenüberstehen, die überhaupt gar nicht anders können, als mit einem Remis vom Platz zu gehen. Das ist natürlich ziemlich subjektiv, denn in den 18 Spielen, in denen sich beide Vereine gegenüberstanden gab es gerade einmal sechs Unentschieden. Im 19. Spiel jedoch sollte mich mein Gefühl nicht trügen. Denn ein Stellungsfehler von Ralf Fährmann und ein seinem Gegenspieler deutlich überlegender Mandzukic trugen fünf Minuten vor dem Abpfiff dazu bei, dass die Eintracht nach dem 28. Spieltag nicht auf dem 11. Tabellenplatz, sondern zwei Plätze dahinter steht.

Mit dem Punkt in Wolfsburg kann man bei der Eintracht jedoch ganz gut leben. Zudem die Frankfurter Punkte und Plätze auf den Relegationsplatz gut gemacht haben. Auswärts einen Punkt zu holen, gegen eine Mannschaft, die der große Vorsitzende unter den ersten acht der Liga wähnt, ist aller Ehren wert. Insbesondere unter den Bedingungen, die derzeit im Stadtwald in Frankfurt herrschen. Das Debüt für Christoph Daum als Trainer von Eintracht Frankfurt ist also geglückt. Und hätte die Eintracht sich in der Schlussphase nicht von den in Unterzahl spielenden Wolfsburgern das Heft aus der Hand nehmen lassen, hätte Daum seinen Einstand mit drei absolut unverdienten Punkten krönen können. Auch in diesem Spiel gab es auf Frankfurter Seite Licht und Schatten. Besonders in der ersten Halbzeit zeigte die Eintracht eine ähnlich schwache Leistung wie zu Skibbes Zeiten. Die Abwehr, insbesondere Russ, wirkte stark verunsichert, die Abstimmung zwischen Rode und Clark war nicht immer gut und aus dem Mittelfeld wurden keine nennenswerten Offensivaktionen initiiert. Die ersten 45 Minuten konnte man daher durchweg als grausam bezeichnen.

Doch Daum schien in der Halbzeit die richtigen Worte gefunden haben und die Eintracht spielte im zweiten Durchgang zeitweise munter mit, auch wenn die Gastgeber die deutlich größeren (sowohl qualitativ als auch quantitativ) Chancen hatten. Die Eintracht suchte ihr Heil im Kontern, wie schon zu besten Funkel’`schen Zeiten. Mit Erfolg, denn eine gute halbe Stunde vor Schluss netzte Alex Meier einen Abpraller in Benaglios Tor ein. Eine vollkommen unverdiente Führung. Im Kampf gegen den Abstieg ist jedoch jedes Mittel recht. Ab der 70. Minute standen die Gäste dann mit einem Mann mehr auf dem Feld, konnten die personelle Überzahl aber nicht ausnutzen. Im Gegenteil. Die elf Frankfurter ließen sich von zehn Wolfsburgern regelrecht an die Wand spielen und konnten dem Sturmlauf nur bis zur 85. Minute standhalten. Was dann passierte ist bekannt.

Dennoch: Ein in der Ferne dreckig erspielter Punkt ist eine Menge wert. Christoph Daum scheint in der Vorbereitung auf das Spiel in Wolfsburg die richten Maßnahmen ergriffen zu haben. Um die spielerischen und taktischen Defizite, die besonders in der ersten Halbzeit offensichtlich waren, auszumärzen, braucht er deutlich länger als die zwei Wochen, die er bis jetzt hatte.

Aber: Neue Besen kehren gut. Zumindest das hat sich am vergangenen Spieltag bewahrheitet. Doch was der Punkt(gewinn?) gegen Wolfsburg wert ist, wird sich spätestens am Freitag beim Heimspiel gegen Werder Bremen zeigen. Man muss die Situation jedoch realistisch einschätzen. Sollte die Eintracht gegen Werder genauso viele Chancen zulassen wie gegen Wolfsburg, wird sie am Ende mit leeren Händen dastehen. Bleibt zu hoffen, das Christoph Daum wieder die richtigen Worte findet. Diesmal vielleicht schon vor der ersten Halbzeit.

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