Eine gefühlte Niederlage

Die zweite Fussball-Bundesliga kann verdammt weh tun. Richtig üble Schmerzen können einem solche Spiele wie das gestern gegen den SC Paderborn zufügen. Über 34.000 zahlende Eintracht-Fans verirrten sich in den Stadtwald und mutierten, aufgrund des auf dem Platz gebotenen, zu unfreiwilligen Masochisten. Denn auch wenn die Eintracht zunächst eine gute halbe Stunde das Spiel dominierte und gute Chancen zum Führungstreffer hatte, kann man alle Zuschauer nur bemitleiden, dass sie sich in ihrer Freizeit nicht für eine schönere Alternative als diesen tiefgrauen Zweitliga-Kick entschieden haben.

Nun war die Erwartungshaltung vor der Partie nicht unbedingt sehr hoch. Eine Mannschaft wie der SC Paderborn ist inbesondere in fremden Stadien alles andere als ein Garant für ein fussballerisches Feuerwerk. Doch gerade diese Tatsache, die wohl allen Spielern im Profifussball bekannt sein dürfte, stellt den gemeinen Eintracht-Fan vor das große Rätsel, warum der Vorjahres-Erstligist vom Main nicht in der Lage war, gegen die graue Unterhaus-Maus von der Pader 90 Minuten lang das Spiel zu dominieren. Nein, viel schlimmer noch, zur Mitte der ersten Halbzeit stellte die Eintracht das Fussballspielen ein, obwohl sie bis dahin alle Fäden selbst in der Hand hatte und der Führungstreffer nur eine Frage der Zeit gewesen war. Doch wer daran dachte, dass sich die Gastgeber nur eine kurze Verschnaufpause gönnten, um dann rechtzeitig vor dem Seitenwechsel das psychologisch wertvolle erste Tor zu schießen, der wurde eines besseren belehrt. Denn für den Rest des Spiels beschränkte sich die Eintracht auf ein paar halbherzige Versuche, die Paderborner in die Bredouille zu bringen, während diese versuchten, mit einem Abwehrbollwerk das torlose Untentschieden zu halten oder mit einem der seltenen Konter das Spiel für sich zu entscheiden.

Mit Ruhm hat sich der selbsternannte Aufstiegsaspirant aus Frankfurt am 6. Spieltag der laufenden Saison nun wirklich nicht bekleckert. Es ist unumstritten, dass Gegner wie der SC Paderborn unbequem zu spielen sind. Besonders trifft das zu, wenn Mannschaften versuchen, mit spielerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen – genauso wie es die Eintracht gestern tat. Auf der anderen Seite spielte dort Eintracht Frankfurt gegen den SC Paderborn. Und ohne dem SC Paderborn die fussballerische Qualität absprechen zu wollen, muss – und da gibt es keine zwei Meinungen – ein Verein wie Eintracht Frankfurt gegen die Paderborner 90 Minuten lang anrennen. Und wenn es mit spielerischen Mitteln nicht funktioniert, dann muss man das gegenerische Bollwerk mit Geschwindigkeit und Kampf aushebeln. Genau das hat die ersten 30 Minuten gestern relativ gut funktioniert. Und wenn Gekas, Meier & Co. vor dem gegnerischen Tor nicht so halbherzig und unkonzentriert ihre Großchancen vertan hätten, wäre die Eintacht am Ende auch als verdienter Sieger vom Platz gegangen.

Insofern ist es nicht besonders verwunderlich, dass die meisten Anhänger der Eintracht gestern unzufrieden mit der Frankfurter Elf waren. Die Forderung der Fans nach einem Sieg gegen Paderborn war sicherlich ambitioniert, aber nicht unmöglich. Für einen Verein, der sich selbst das “Bayern München der zweiten Liga” nennt, sollte es Pflicht sein, mit drei Punkten gegen den ehemaligen TuS Neuhaus nach Hause zu fahren. Stattdessen gibt man dem Rasen, dem pfeiffenden Publikum oder einem vermeintlichen Heimkomplex die Schuld. Meiner Meinung nach sind das alles krumme Ausreden. Die erste halbe Stunde war der Rasen gut genug und es lag einzig und allein an der Fahrlässigkeit der Spieler, dass die Eintracht nicht den Ball im gegnerischen Tor unterbrachte. Und wer will es den paar Pfeife(r)n schon verdenken, wenn sie ihrem Unmut Luft machen. Schließlich hat die Eintracht seit Mitte März kein einziges Heimspiel gewonnen. Genauso wie die Spieler hat auch wohl auch ein Großteil der Fans die Rückrunde der letzten Saison noch im Kopf. Und dann kommt alles zusammen: ein schlechtes Spiel, kein Kampf, die zweite Liga und dazu noch gegen Paderborn. Wer kann das schon kommentarlos schlucken?

Die Pfiffe während des Spiels gegen Gekas und Köhler führen natürlich nicht zum Ziel und bringen keinem etwas. Und an einen sogenannten Heimkomplex glaube ich spätestens seit dem Sieg gegen die Bornheimer nicht mehr. Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Und da ist es egal, ob der Rasen in Fürth, Braunschweig oder Frankfurt wächst. Oder glaubt wirklich jemand daran, dass die Eintracht gestern nach einer halben Stunde aufhörte Fussball zu spielen, weil die Spieler zu Hause und nicht auswärts spielten? Was auch immer der Grund für dieses trostlose Unentschieden war: Am Ende ist es ein wertvoller Punkt in Richtung Aufstieg aber eine gefühlte Niederlage an einem trostlosen Zweitliga-Sonntag.

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7 Antworten auf Eine gefühlte Niederlage

  1. Jens schrieb am:

    Das Spiel war gerade in Halbzeit 2 wirklich kaum zu ertragen. Der gute Anfang des Spiels machte einem Mut, der aber endgültig aber Minute 60 verebbt war, weil man mit ansehen musste, dass die Eintracht ideenlos agierte und Paderborn sogar anfing, gefährliche Konter zu laufen.

    Die Pfiffe gingen voll in Ordnung. Denn bei allem Respekt vor Paderborn. Eine Mannschaft, die aufsteigen möchte, muss in der Lage sein, Paderborn zu Hause zu bezwingen. Keine Wenns, keine Abers, keine Konjunktive!
    Gekas blieb wie so häufig blass, allerdings muss man auch mal zu seiner Verteidigung sagen, dass ein klassischer Stoßstürmer wie Gekas eben auch Bälle braucht (im 16er), die er verwerten kann. Und da kam so wenig in der letzten Stunde, dass man ihm da nicht so viele Vorwürfe machen kann.
    Köhler bewies, dass er noch nicht konstant genug spielt. Er wurde häufig gesucht, hatte auch viele Ballkontakte, hat aber viele Bälle verloren und wieder mehrfach Munition für die Kanonen seiner Kritiker geliefert. Er war im letzten Spiel im Kopf mal wieder zu langsam. Eine Riesenschusschance im 16er vergab er, weil der den Ball noch annahm und dann ein Paderborner dazwischengrätschen konnte. Ein Direktschuss wäre deutlich besser gewesen. Auch bei hohen Bällen, sah er oft schlecht aus, weil er Bälle aufspringen ließ und danach in Kopfduelle gegen bullige Paderborner musste, anstatt die Bälle direkt zu kontrollieren. Köhler hatte sicherlich gestern einen ganz schwachen Tag, bei dem die gleichen Schwächen zum Vorschein kamen, die ihn schon letzte Saison ausgezeichnet haben. Hoffentlich kann er im nächsten Spiel an die Leistung gegen den FSV anknüpfen.

    Ansonsten: 1a Analyse oben – wie immer eigentlich. :)

  2. Sebastian schrieb am:

    Köhler hatte wahrlich keinen guten Tag. Aber richtig gut war keiner bei der Eintracht. In Bezug auf Gekas hoffe ich, dass Hübner für ihn bis Mittwoch noch einen Abnehmer findet. Sein Spiel in Braunschweig war wohl wirklich nur eine positive Ausnahme. Ansonsten das alte Lied: kein Spielaufbau, keine Offensive, kein Kampf, same procedure as every match..

    Ansonsten 1a Kommentar von Dir – wie immer eigentlich ;)

  3. Christian schrieb am:

    Mit Rob Friend und Mo Idrissou kann es ja jetzt eigentlich nur besser werden! Ich denke, dass Gekas nun die Spiele von den Zuschauerrängen betrachten wird. Dennoch muss mehr Biss und Willen von der gesamten Mannschaft gezeigt werden!!!!

    Also auf ein NEUES gegen Cottbus….

  4. Sebastian schrieb am:

    Ja, auf ein Neues gegen Cottbus. Und hoffen wir, das Fenin zum Einstand nicht wieder drei Buden macht…

  5. Christian schrieb am:

    Darf er ruhig… solange wir 4 bis 5 Buden machen :)

  6. Sebastian schrieb am:

    ok, da gehe ich mit ;)

  7. Jens schrieb am:

    Ehrlich gesagt bin ich gar nicht so optimistisch, was diese Transfers angeht. Fenin ist kein Stürmer für ein System mit einer Spitze (er läuft viel, ist viel um den 16er herum), aber er hätte die Option eröffnet mal mit zwei Spitzen zu spielen. Stattdessen haben wir jetzt eigentlich vier klassische Stoßstürmer. Idrissou, Gekas, Friend und auch Hoffer sind alles eher Strafraumstürmer. Für taktische Flexibilität wäre also die Abgabe von Gekas (bei diesen Neuzugängen) und das Halten von Fenin die bessere Wahl gewesen.
    Zudem haben wir einen 24-jährigen Stürmer abgegeben und zwei Stürmer um die 30 verpflichtet. Gekas ist sogar noch älter. Perspektivische Transfers sehen für mich anders aus.

    Zudem kommt noch, dass Friend bei keiner seiner bisherigen Bundesligastationen wirklich überzeugen konnte (hoffe aber natürlich für die SGE auf mehr). Wirklich erfreut bin ich lediglich über Idrissou, der an einem guten Tag, wirklich gutes Bundesliganiveau hat. Der sollte uns auf jeden Fall weiterhelfen in Liga 2. Insgesamt stimmen mich diese Transfers aber weniger optimistisch als dies die vorherigen Transfers getan haben.

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