Es lebt sich wohl ganz angenehm, so als Tabellenführer. Das kann der geneigte Eintracht-Fan zumindest deuten, wenn er oder sie gestern den Auftritt von Heribert Bruchhagen im Sport-Flaggschiff “heimspiel!” des Hessischen Rundfunks gesehen hat. Der Vorstandsvorsitzende brachte dann auch gleich noch den Torschützen des Siegtores vom Sonntag mit ins Studio und so war sie fast perfekt, die Frankfurter Aufstiegsidylle. Selbst das Anbiedern von Thomas Berthold brachte Bruchhagen nicht aus der Ruhe, der den Weltmeister von 1990 einfach links liegen ließ, wenn Berthold ansetzte, und Bruchhagen erklären wollte, wie das Scouting und die Finanzierung der Eintracht zukünftig aufgestellt werden muss. Bruchhagen indes nutze die Chance, um wieder einmal darauf hinzuweisen, dass die Eintracht im Deutschen Profifussball eine Spitzenposition inne hätte, wenn das es nicht das Fernsehgeld gäbe, von dem die Eintracht durch den Abstieg jetzt noch weniger bekäme, und die etablierten Vereine immer mehr. Das ist zwar jetzt doof, aber selbst verschuldet.
Mit etwas Glück wird Bruchhagen in der kommenden Saison jedoch wieder mehr vom heiß geliebten Fernsehgeld in der Frankfurter Kasse verbuchen dürfen. Doch genau dieses benötigte Glück, das die Eintracht in den letzten drei Spielen bis aufs Äußerste herausforderte, bereitet so manchem Bauchschmerzen. Da hilft es auch nicht, dass der Trainer die Last-Minute-Tore nicht als glücklich, sondern als Stärke der Mannschaft betrachtet.
Doch bevor wir hier in medias res gehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die allgemein gültigen Definitionen der Substantive. Der Duden definiert Glück als
etwas, was Ergebnis des Zusammentreffens besonders günstiger Umstände ist; besonders günstiger Zufall, günstige Fügung des Schicksals.
Wird von einer Stärke gesprochen, so ist vom
Vorhandensein besonderer Fähigkeiten, besonderer Begabung [auf einem bestimmten Gebiet], durch die jemand eine außergewöhnliche, hohe Leistung erbringt
die Rede. Betrachten wir uns die letzten drei Partien der Eintracht mal etwas genauer. Gegen Ingolstadt schoss der eingewechselte Karim Matmour in der 96. Minute den Ausgleichstreffer. In Aue machte Idrissou vier Minuten vor Schluss den Frankfurter Sieg klar und zuletzt gegen Aachen kassierte die Eintracht in elf Minuten drei Gegentore, und gewann am Ende durch das Tor von Matmour in der 89. Minute. In Bezug auf eine vermeintliche Stärke frage ich mich, was die besonderen Fähigkeiten sind, die laut der Duden-Definition vorhanden sein müssten. Oder um welche besondere Begabung es sich hier genau handelt. Und wann der Trainer diese mit der Mannschaft einstudiert hat.
Dass zwei der drei Siegtreffer von einem frischen Einwechselspieler erzielt worden sind, ist keine besondere Begabung, sondern ein günstiger Umstand. Und dass ein Schiedsrichter sechs Minuten nachspielen lässt ist eher eine günstige Fügung des Schicksal als eine besondere Begabung der Frankfurter Spieler. Am Ende ist es jedoch egal, ob die wichtigen Tore durch Stärke oder Glück begünstigt worden sind. Denn in allen Spielen hat die Eintracht zum Ende hin noch einmal alle Kräfte mobilisiert und sich selbst belohnt. Nur im Pokal-Spiel gegen Kaiserslautern funktionierte das nicht. Denn dort hatte der Gegner eine Minute vor Abpfiff zwar kein Glück oder Stärke, sondern einfach nur Dusel. Den definiert der Duden nämlich als
unverdientes Glück, wobei jemandem etwas Gutes widerfährt oder etwas Unangenehmes, Gefährliches an jemandem [gerade noch] vorübergeht.
Und mit dieser Erkenntnis bleibt festzuhalten, dass es vollkommen egal ist, ob ein Spiel durch Glück, Stärke oder Dusel gewonnen wird. Hauptsache der Sieger heißt Eintracht Frankfurt.