Vor dem Spiel der Eintracht gegen den FC St. Pauli hatte ich mich irgendwie damit abgefunden, dass man mir trotz Dauerkarte den Zugang zu diesem Spiel verwehrte. Dass ich nicht in den “Genuss” kam, das erste Heimspiel in der Aufstiegssaison zu sehen, lag weniger an mir, sondern am Verhalten einiger Unbelehrbarer, das letztendlich zu einer kollektiven Strafe führte. Am Montag Vormittag hatte ich noch überlegt, ob ich mir doch noch eine Karte für das “Top-Spiel” des zweiten Spieltags besorgen sollte, entschied mich dann aber doch für den heimischen Fernseher. Rückwirkend betrachtet war das die bessere Entscheidung. Denn das was die 16.500 Zuschauer im “fast ausverkauften” Waldstadion zu sehen bekamen, bezeichnet man im Allgemeinen als harte Kost.
Nun ist die zweite Liga sicherlich mehr Kampf als Grazie. Wenn jedoch zwei Bundesligaabsteiger mit Wiederaufstiegsambitionen aufeinander treffen, darf der gemeine Fussballfan jedoch zumindest halbwegs ansehnlichen Profifussball erwarten. Doch davon war am Montag Abend im Stadtwald nicht viel zu sehen. Das lag jedoch weniger am Spiel des Gastes aus Hamburg. Die Hamburger machten der heimischen Mannschaft durch ihr engagiertes Auftreten das Leben schwer. Doch nicht nur die forschen Kicker aus St. Pauli waren der Grund dafür, dass die Eintracht ihr Spiel nicht aufziehen konnte. Nein, die Frankfurter Spieler standen sich auch zunehmend selbst im Weg. Und wenn sie sich nicht im Weg standen, dann liefen sie ins Leere oder passten den Ball fahrlässig zum Gegner. Aufstieg sieht anders aus.
Die ärmste Sau auf dem Platz war dabei Erwin Hoffer, der wie schon Gekas in der Rückrunde der vergangenen Saison, als einzige Spitze in der gegnerischen Hälfte vereinsamte. Das lag vor allem daran, dass im Frankfurter Spiel kein geordneter Spielaufbau stattfand. Das kommt Euch bekannt vor? Mir auch! Ein ganz schlechtes Bild lieferte dabei Pirmin Schwegler ab, der eigentlich als Motor im Mittelfeld agieren sollte. Doch viel mehr als Fehlpässe brachte der Schweizer an diesem Abend nicht zu Stande. Allein seinem Mitspieler Sebastian Rode hat er es zu verdanken, dass die Lücken im defensiven Mittelfeld nicht noch größer waren. Doch auch offensiv ging nicht viel voran. Wie schon gegen Fürth stand Lehmann im Spiel gegen seinen Ex-Verein neben sich. Alex Meier mühte sich redlich auf der linken Außenbahn, auf der er sich sichtbar unwohl fühlte. Und so zog er zunehmend in die Mitte und übernahm unbewusst die Position einer hängenden Spitze. Das war eine gute Entscheidung. Wer weiß, ob die Eintracht ansonsten den Ausgleich geschossen hätte. Und dann war da auch noch Caio. Nachdem wir uns in der Vergangenheit schon davon überzeugen konnten, dass der Brasilianer weder Stürmer, hängende Spitze noch ein Linksaußen ist, trat er nun den Beweis an, dass er auch auf der rechten Außenbahn der Mannschaft nicht weiterhilft. Die Eintracht muss sich entscheiden, ob ein Spieler, der ausschließlich halbwegs ansehnlich aus der Distanz schießen kann, für den deutschen Profifussball tauglich ist. Die Antwort liegt meiner Meinung nach auf der Hand.
Das größte Sorgenking bleibt jedoch die Defensive. Natürlich hat der Weggang von Russ die Situation in der Innenverteidigung verschärft. Und jeder weiß auch, wie wichtig eine abgestimmte und organisierte Viererkette ist. Dem Führungstreffer für St. Pauli ging jedoch wieder ein Stellungsfehler der Innenverteidiger voraus. Und auch im Spielaufbau offenbarten Schildenfeld und Clark erhebliche Defizite. Auf der rechten Abwehrseite bot Jung eine halbwegs passable Vorstellung, während Djakpa links keine nennenswerte Akzente setzen konnte und zahlreiche Stoppfehler darbot. Man darf durchaus daran zweifeln, ob die Probleme in der Abwehr ausschließlich durch die Verpflichtung eines neuen Innenverteidigers gelöst werden.
Letztendlich hat die Eintracht es dem FC St. Pauli zu verdanken, dass sie dann doch noch einen Punkt mitnehmen konnte. Denn die Gäste versuchten schon früh in der zweiten Halbzeit die knappe Fürhung über die Zeit zu bringen, was bekanntlich nicht gelang. Vor den Verantwortlichen bei Eintracht Frankfurt liegt noch eine ganze Menge Arbeit, wenn man sich nicht aussschließlich auf Alex Meier und die Fahrlässigkeit der Gegner verlassen möchte. Vier von sechs möglichen Punkten sich keine schlechte Ausbeute. Insbesondere wenn man diese gegen zwei Mitaufsteigs-Aspiranten geholt hat. Die Eintracht wird sich jedoch deutlich steigern müssen, um sich weiterhin in diesem Kreis zu wähnen.
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