Schlagworte: Skibbe

2012. Wie immer.

Es ist vorbei. Eines der schlimmsten Jahre in der Geschichte des Profifussballs bei Eintracht Frankfurt ist nun Geschichte, und das neue Jahr 2012, soll – zumindest in den ersten fünf Monaten – dafür genutzt werden, um die Schmach des unnötigsten Abstieg aller Zeiten endgültig vergessen zu machen. Spätestens am 6. Mai wissen wir dann, ob die Mission “Direkter Wiederaufstieg” den Herren vom Main geglückt ist. Doch in der Tat: Ganz so schlimm, wie es so mancher Anhänger des Vereins des Herzens sieht, steht es um die Eintracht dann doch (noch) nicht. Nach 19 Spieltagen steht der Absteiger auf dem dritten Platz der Tabelle. Einen Punkt hinter Greuther Fürth und auch der verdiente Spitzenreiter aus Düsseldorf ist mit drei Punkten Vorsprung nicht in uneinholbarer Ferne.

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Nachgetreten

Der vierte Abstieg von Eintracht Frankfurt ist gerade mal ein paar Tage offiziell. Fest stand er wohl schon vor dem letzten Spieltag. Langsam, schleichend und ohne dass es irgendjemand richtig wahrgenommen hat, trudelte die Eintracht nach der Winterpause vom siebten auf den vorletzten Platz in der Tabelle. Die Gründe für diesen beispielslosen, weil vollkommen überflüssigen Fall ins Unterhaus der Liga sind vielfältig. Da ist zum einen ein Stürmer, der vollstes Vertrauen der Übungsleiter bekam, obwohl er sich im Gedankengefängnis befand, ein Mittelfeld, dem jegliche Inspiration in der Winterpause abhanden kam sowie eine Abwehr, die in den meisten Spielen ohne Selbstbewusstsein agierte und somit in der Rückserie die drittschlechteste der Liga war. Die Verantwortung für eine solche sportliche Misere liegt immer beim Trainer. Ohne Ausnahme. Obwohl man bei Christoph Daum eine solche machen kann. Denn auch wenn seine Bilanz der sieben Spiele, die er Eintracht Frankfurt trainierte, auf den ersten Blick miserabel aussieht, muss man ihm zu Gute halten, dass er von seinem Vorgänger Michael Skibbe einen Trümmerhaufen übernahm, der neben taktischen Defiziten auch konditionelle aufwies.

Das sieht der ehemalige DFB-Trainer naturbedingt natürlich vollkommen anders und sucht die Schuld, ebenfalls naturbedingt, bei anderen. Da wäre zum Beispiel der Vorstandsvorsitzende und damalige sportliche Leiter Heribert Bruchhagen, mit dem Skibbe in der Winterpause übereinkam, dass man sein Augenmerk bei der Personalplanung lieber auf den Sommer richten sollte. Unter diesem Aspekt scheint es wie blanker Hohn, dass er nun moniert, dass es zu wenig Spieler gab und für die vielen Ausfälle keinerlei Ersatz geholt wurde. “Ich kann nur sagen, dass wir hätten handeln müssen. Stillstand und verwalten, davon halte ich nichts.” Zum Stillstand hat Skibbe jedoch merklich beigetragen. Zum Beispiel dadurch, dass er im Sturm nicht rotierte, dass er trotz der angespannten Personalsituation Amanatidis auf die Bank setzte und nicht zuletzt, dass er stoisch den Versagern der Vorwoche das Vertrauen gab, damit sie im nächsten Spiel erneut auf die Mütze bekamen. Am Ende war der Rauswurf  von Skibbe die logische Folge. Er kam nur viel zu spät, weil auch Bruchhagen zu lange im Gedankengefängnis steckte und seinen Prinzipien treu blieb.

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Kein optimaler Saisonverlauf

Am 8. Januar 2011, während des Trainingslagers im türkischen Belek, befand sich die Eintracht mit beachtlichen 26 Punkten auf dem siebten Platz in der Bundesliga-Tabelle. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Eintracht 14 Punkte Vorsprung auf den 17. Platz und war sogar mit nur drei Punkten Rückstand auf den fünften Platz in Schlagdistanz zu den europäischen Geldtöpfen. An jenem Tag gab der damalige Übungsleiter Michael Skibbe der ehrwürdigen Frankfurter Rundschau ein Interview zur aktuellen Lage der einstigen Diva vom Main, die am letzten Spieltag der Hinrunde den kommenden Deutschen Meister schlug und kurz danach im DFB-Pokal gegen einen Zweitligisten ohne Not scheiterte.

Im Laufe des Interviews wurde Skibbe die Frage gestellt, was in der laufenden Saison für Eintracht Frankfurt noch drin wäre. Skibbe antwortete: “Bei optimalem Saisonverlauf hoffe ich, dass wir ein, zwei Mannschaften einholen können. Und die, die hinter uns sind, auch hinter uns bleiben.” Skibbe hatte recht. Bei optimalen Saisonverlauf bestand durchaus die Chance, noch den einen oder anderen direkten Konkurrenten zu überholen. Sofern die Eintracht weiterhin Tore am laufenden Band schiessen würde. Doch die FR wollte es genauer wissen: “Und wenn Gekas mal nicht trifft?” Skibbe: “Dann trifft halt Amanatidis. Oder Fenin. Oder Altintop. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn Alex Meier wieder ein paar Tore schießt. Oder Maik Franz. Aber zurzeit wird eben nur Gekas wahrgenommen, in seinem Glanz verblassen die anderen so ein bisschen. Aber ohne die anderen könnte Gekas auch nicht glänzen. Man holt auch nicht 26 Punkte, weil Gekas die Tore schießt, sondern weil die Mannschaft perfekt funktioniert.”

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Die große Ungewissheit

Da ist er also. Der erste Sieg von Eintracht Frankfurt im Jahr 2011. Ein Sieg, der von tausenden von Fans, Verantwortlichen, Spielern und dem Trainer sehnsüchtig herbeigesehnt wurde. Drei Punkte, die den Bann brechen sollten, die Eintracht Frankfurt wieder zurück in die Erfolgsspur bringen sollten. Doch irgendwie kommt nach diesem – zweifelsohne – wichtigen Sieg keine Aufbruchstimmung auf. Das liegt vor allem daran, dass die Eintracht wieder einmal eine unterirdische Leistung zeigte. Eine Leistung, die noch schlechter war als das, was auf dem Platz gegen Kaiserslautern dargeboten wurde. Das Aufbauspiel nach vorne fand nicht statt, im Mittelfeld war Pirmin Schwegler maßlos überfordert und die offensiven Kräfte rannten sich zwar die Lunge aus dem Leib, ihre Aktionen blieben jedoch zu oft ohne große Wirkung. Viel mehr als die obligatorischen hohen Bälle auf die Stürmer bekamen die Zuschauer im Waldstadion nicht zu sehen. Und so war der Sieg am Ende keiner, der durch spielerisches Vermögen errungen wurde, sondern dadurch, dass zum einen St. Pauli sich noch schlechter als der Gastgeber präsentierte und zum anderen weil Theofanis Gekas seinen Torinstinkt wieder entdeckt hat und zweimal die Nerven vor dem gegenerischen Tor behielt.

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Im freien Fall

Selbst die kühnsten Optimisten hatten wohl nicht erwartet, dass der Eintracht ausgerechnet gegen Schalke 04 der erhoffte Befreiungschlag gelingen würde. Im Vorfeld dieser Partie gab es auf Seiten der Frankfurter auch keine besonderen Anzeichen, dass die Mannen von Michael Skibbe mit speziellen Maßnahmen den ersten Sieg in diesem Jahr in Gelsenkirchen landen würden. Im Gegenteil. Die Trainingswoche konnte man unter der Kategorie “business-as-usual” ablegen. Und so war es dann auch nicht überraschend, dass der Sieger gestern Nachmittag nicht Eintracht Frankfurt, sondern Schalke 04 hieß und die Eintracht weiterhin ein heiß gehandelter Abstiegskandidat bleibt. Wie in den Spielen zuvor präsentierten die Frankfurter wieder einmal eine mangelhafte Vorstellung. Für den zuletzt schwachen Gekas begann diesmal der gescholtene Amanatidis. Mancher Beobachter wertete das bereits als einen Coup des Trainers. Meiner Meinung nach war diese Maßnahme schon seit langem überfällig. Doch Amanatidis war, wie sein Landsmann in den Spielen zuvor, weitestgehend im Sturm verloren, unter anderem auch deshalb, weil im Aufbauspiel jegliche Spielkultur fehlte. Bis auf Ricardo Clark zeigten alle Mittelfeld-Akteure eine desolate Vorstellung.

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